Produkt-Vergleich

Notstrom mit Photovoltaik — Ersatzstromfähige Wechselrichter im Vergleich

4. März 2026 · 8 Min. Lesezeit
Notstrom mit Photovoltaik — Ersatzstromfähige Wechselrichter im Vergleich

Blackouts in Österreich sind selten — aber die Vorbereitung nimmt rasant zu. Laut E-Control liegt die durchschnittliche Versorgungsunterbrechung pro Haushalt (SAIDI) bei unter 30 Minuten pro Jahr, und das österreichische Stromnetz zählt zu den zuverlässigsten Europas. Trotzdem rüsten immer mehr Hausbesitzer ihre Photovoltaikanlage mit einer Notstromfunktion nach. Wer in einen ersatzstromfähigen Wechselrichter investiert, fragt sich schnell: Fronius, Huawei oder GoodWe — und was unterscheidet PV-Point von einer vollwertigen Backup-Box? Dieser Vergleich ordnet die Optionen ehrlich ein.

Notstrom vs. Ersatzstrom: Begriffsklärung

Die Begriffe werden in der Praxis oft synonym verwendet, technisch beschreiben sie aber zwei unterschiedliche Konzepte. Notstrom meint die vollautomatische Umschaltung des gesamten Hausnetzes innerhalb von Millisekunden — selbst empfindliche Verbraucher wie Computer oder die Heizungsumwälzpumpe laufen unterbrechungsfrei weiter. Dafür braucht es einen abgesicherten Schaltkreis, eine Backup-Box (oder einen intrinsisch backup-fähigen Wechselrichter) und in der Regel einen Stromspeicher.

Ersatzstrom hingegen bezeichnet die manuelle Bereitstellung von Strom über eine separate Notsteckdose am Wechselrichter — typischerweise bei Tageslicht, ohne Speicher, mit begrenzter Leistung. Sie stecken Ihre wichtigsten Geräte (Kühlschrank, Laptop-Ladegerät, Lampen) gezielt in diese Steckdose und greifen damit auf den aktuell produzierten PV-Strom zurück. Komfortabel ist das nicht — aber deutlich günstiger und für viele Haushalte ausreichend.

Was ist ein ersatzstromfähiger Wechselrichter?

Ein klassischer netzgekoppelter PV-Wechselrichter schaltet sich bei einem Netzausfall sofort ab. Das ist gesetzlich vorgeschrieben (Inselschutz nach ÖVE/ÖNORM E 8001), damit keine Spannung in ein vermeintlich stromloses Netz zurückgespeist wird, an dem möglicherweise Netztechniker arbeiten. Die paradoxe Folge: Auch wenn die Sonne scheint, haben Sie ohne weitere Vorkehrungen bei einem Stromausfall keinen Strom.

Ein ersatzstromfähiger Wechselrichter löst dieses Problem durch eine elektrische Trennung vom öffentlichen Netz und den Aufbau eines internen Inselnetzes. Je nach Modell geschieht das entweder über eine separate Notsteckdose am Gerät (manueller Bezug, nur bei Tagesproduktion) oder über eine vollautomatische Umschaltung des gesamten Hausnetzes auf den Batteriebetrieb.

Worauf Sie achten sollten: Nicht jeder Hybridwechselrichter ist automatisch notstromfähig. Manche Modelle bieten die Funktion erst mit einer optionalen Backup-Box, andere benötigen zwingend einen Speicher, und wieder andere bringen die Notstromfunktion intrinsisch mit. Wer plant, sollte das im Erstgespräch mit dem Installateur explizit klären — siehe dazu auch unsere Komplettpaket-Checkliste.

Fronius Gen24 Plus — Inseltauglich mit PV-Point oder Full Backup

Der österreichische Hersteller Fronius bietet mit dem Symo Gen24 Plus eine flexible Lösung. Bereits ab Werk verfügt das Gerät über den sogenannten PV-Point: eine einzelne Notsteckdose am Wechselrichter, die bei Netzausfall bis zu 3 kW Leistung aus der aktuell produzierten PV-Energie bereitstellt. Vorteil: Es ist kein Speicher und keine zusätzliche Hardware erforderlich. Nachteil: Nur tagsüber bei Sonnenschein, manueller Anschluss, kein Schutz für fest installierte Verbraucher.

Wer ein echtes Notstromsystem haben möchte, ergänzt den Gen24 Plus um die Backup-Box (Full Backup). Dann schaltet das System bei einem Netzausfall vollautomatisch in Sekundenbruchteilen auf einen abgesicherten Notstromkreis um — das ganze Haus oder definierte Verbraucherkreise laufen unterbrechungsfrei weiter. Vorausgesetzt wird ein kompatibler Speicher (BYD HVS/HVM); ohne Batterie ist der Full-Backup-Modus nicht sinnvoll.

Stärken der Fronius-Lösung: hoher Wirkungsgrad, robuste Engineering-Qualität, langjährige Erfahrung mit Notstrom-Setups in Österreich. Schwächen: Die Backup-Box ist ein separates Gerät mit eigenem Installationsaufwand, was die Gesamtkosten spürbar erhöht. Wer ohnehin einen Speicher plant, bekommt damit aber die zuverlässigste Notstromlösung im Premiumsegment.

Huawei SUN2000 mit Backup Box — Auto-Umschaltung mit Speicher

Huawei bietet mit der Kombination aus dem SUN2000 Hybridwechselrichter, dem LUNA2000 Speicher und der separaten Backup Box (auch SBU genannt — Single Backup Unit) eine vergleichbare Architektur. Die Umschaltzeit liegt nach Herstellerangaben bei unter 20 Millisekunden — schnell genug, dass selbst Computer und WLAN-Router den Wechsel kaum bemerken.

Die Backup Box kann je nach Konfiguration entweder das gesamte Hausnetz oder einen separat verkabelten Notstromkreis (kritische Verbraucher) versorgen. Letzteres ist in der Praxis häufiger, weil es die Batterieentladung beim Blackout begrenzt und damit die Überbrückungsdauer verlängert. Typische abgesicherte Kreise: Kühlgeräte, Heizungssteuerung, einige Steckdosen pro Etage, Beleuchtungskreise.

Pluspunkte: Das System ist modular aufgebaut — Sie können den LUNA2000-Speicher in 5-kWh-Schritten erweitern und damit auch die Notstromreserve anpassen. Die Steuerung über die FusionSolar-App ist ausgereift. Auf der anderen Seite ist die Backup Box auch hier ein Zusatzgerät, das eigenständig zu kalkulieren und zu installieren ist. Ohne Speicher ist die Notstromfunktion nicht nutzbar.

GoodWe ET Hybrid — Intrinsische Notstromfunktion ohne Zusatzgerät

Anders gelöst hat es GoodWe bei der ET-Serie (z. B. GW10K-ET): Die Notstromfunktion ist intrinsisch integriert — es braucht keine zusätzliche Backup-Box. Auf der Rückseite des Wechselrichters befindet sich ein separater Anschluss für den Notstromkreis, der bei einem Netzausfall automatisch versorgt wird. Die Umschaltzeit liegt im niedrigen Millisekundenbereich.

Das macht GoodWe ET zur am einfachsten zu installierenden Lösung der drei Vergleichskandidaten: weniger Einzelgeräte, weniger Verkabelung, weniger Wandfläche. Für Häuser mit beengten Technikräumen oder begrenztem Budget ist das ein klarer Vorteil. Ein passender Speicher (Lynx Home F oder kompatible Drittanbieter-Batterien) ist auch hier erforderlich, um nachts oder bei längeren Ausfällen Strom zu haben.

Kompromisse: Die abgesicherte Notstromleistung des GoodWe ET ist in der Regel auf einen definierten Schaltkreis begrenzt — eine echte Volldeckung des gesamten Hauses ist seltener vorgesehen als bei der Fronius Full-Backup-Variante. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist dafür sehr attraktiv. Eine ausführliche Gegenüberstellung der drei Hersteller über alle Kriterien hinweg finden Sie in unserem vollständigen Wechselrichter-Vergleich.

Vergleichstabelle: Notstromfähigkeiten im Überblick

Merkmal Fronius Gen24 Plus + Backup-Box Huawei SUN2000 + Backup Box GoodWe ET Hybrid
Umschaltzeit Sekundenbruchteile (unterbrechungsfrei) < 20 ms Niedriger Millisekundenbereich
Speicher erforderlich Ja (BYD HVS/HVM) Ja (LUNA2000) Ja (Lynx Home F o. kompatibel)
Leistung im Notbetrieb Bis zur WR-Nennleistung, ganzes Haus möglich Bis zur WR-Nennleistung, ganzes Haus oder Schaltkreise Definierter Notstromkreis, je nach Modell
Abgedeckte Schaltkreise Frei wählbar (Full Backup oder kritische Kreise) Frei wählbar (gesamt o. separater Notstromkreis) Separater Notstromkreis am WR
Installation komplex Hoch (separate Backup-Box, Verkabelung) Hoch (separate Backup Box, Verkabelung) Mittel (intrinsisch, weniger Hardware)

Wann lohnt sich Notstrom — und wann nicht?

Notstrom ist nicht für jeden Haushalt sinnvoll. Klar zu empfehlen ist die Investition, wenn Sie ländlich wohnen und kurze Ausfälle regelmäßig erleben, wenn medizinische Geräte wie Sauerstoffkonzentratoren oder Beatmungspumpen im Haushalt laufen, wenn Sie ein Home Office mit kritischer Infrastruktur betreiben, wenn Sie auf eine durchgängige Kühlkette für Lebensmittel oder Medikamente angewiesen sind, oder wenn eine Wärmepumpe im Winter die einzige Heizquelle ist.

Eher nicht zu empfehlen ist Notstrom, wenn Sie im städtischen Versorgungsgebiet mit hochzuverlässiger Infrastruktur wohnen und Stromausfälle Sie statistisch alle paar Jahre für wenige Minuten betreffen. Auch wenn das Budget knapp ist und die Eigenverbrauchs-Optimierung Vorrang hat, sollten Sie zuerst die Speichergröße richtig dimensionieren — eine vollwertige Notstromlösung kann mehrere Tausend Euro zusätzlich kosten und amortisiert sich rein wirtschaftlich kaum.

Eine pragmatische Mittellösung kann der reine PV-Point (Fronius) sein: günstig, ohne Speicher nutzbar, gut für seltene Tagesausfälle. Wer keine kritischen Lasten hat und nur „auf Nummer sicher gehen“ möchte, fährt damit oft besser als mit einem teuren Vollbackup, das nie zum Einsatz kommt.

Häufige Fragen zu Notstrom mit PV

Wie lange kann ich mit Notstrom überbrücken?

Das hängt von Speichergröße, Tageszeit und Verbrauch ab. Mit einem 10-kWh-Speicher und reduziertem Verbrauch (Kühlschrank, Beleuchtung, Heizungssteuerung, Internet) lassen sich bei Nacht typischerweise 12 bis 24 Stunden überbrücken. Wenn die Sonne tagsüber lädt, ist eine unbegrenzte Überbrückung möglich — vorausgesetzt der Verbrauch übersteigt die PV-Erzeugung nicht dauerhaft.

Funktioniert die Wärmepumpe im Notstrombetrieb?

Grundsätzlich ja, sofern der Wechselrichter genügend Leistung bereitstellt und die Wärmepumpe am abgesicherten Schaltkreis hängt. Allerdings ziehen Wärmepumpen beim Anlaufen kurzzeitig hohe Ströme — ein Lastmanagement oder ein dezidierter Anlaufschutz ist hier sinnvoll. Besprechen Sie das vor der Planung mit Ihrem Installateur.

Kann ich Notstrom auch nachträglich nachrüsten?

Wenn Ihr Wechselrichter ersatzstromfähig oder vorbereitet ist (z. B. Fronius Gen24 Plus, Huawei SUN2000 mit Backup-Vorbereitung), lässt sich die Backup-Box später nachrüsten. Bei klassischen reinen Einspeise-Wechselrichtern ist eine Nachrüstung in der Regel nicht wirtschaftlich — hier wäre ein Komplettaustausch nötig.

Brauche ich einen Elektriker für die Umrüstung?

Ja, in jedem Fall. Der abgesicherte Notstromkreis muss vom restlichen Hausnetz galvanisch getrennt sein, was eine fachgerechte Installation durch eine konzessionierte Elektrofachkraft erfordert. Der Inselbetrieb muss zudem den Netznutzungsregeln des jeweiligen Verteilnetzbetreibers entsprechen.

Sie überlegen, ob eine Notstromlösung für Ihr Zuhause sinnvoll ist? Sehen Sie sich unsere Notstrom-Lösungen anschauen an oder vereinbaren Sie eine individuelle Beratung — wir analysieren gemeinsam mit Ihnen, welcher Wechselrichter und welche Backup-Architektur zu Ihrem Verbrauchsprofil und Ihren Anforderungen passt.

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